Lagerkoller, verstehen und vermeiden

Es gibt Situationen, da ist man an einen Ort oder sogar eine Lokalität gebunden. Das kann immer mal wieder passieren. Aktuell ja durch Maßnahmen und Anordnungen bezüglich des sogenannten Coronaviruses. Kinder wurden von der Schulpflicht entbunden und sollen zu Hause bleiben, Pflege- und Sozialinstitutionen reduzieren ihren Betrieb, schotten sich ab und schließen mitunter, wenn möglich. Soziale Kontakte sollen begrenzt werden und kulturelle Einrichtungen schließen, Dienstreisen werden abgesagt, Homeoffice wird verordnet oder Eltern müssen sich für die Betreuung der Kinder freistellen lassen, denn die Großeltern sollen nicht als Alternative genutzt werden. Ganz zu schweigen vom Ernstfall, wenn man aufgrund von Verdacht oder Erkrankung unter häuslicher Quarantäne steht.

Dass dies eine an vielen Ecken und Enden problematische Situation ergeben kann, muss nicht erwähnt werden. Der umgangssprachliche Lagerkoller kündigt sich an. Aber was ist das eigentlich?

Wikipedia sagt dazu: „Unter Lagerkoller einzelner oder mehrerer Personen versteht man umgangssprachlich einen vorübergehenden psychischen Erregungszustand bei zwangsweiser Lagerunterbringung, wie er vor allem in Gefängnissen, Kasernen, Kriegsgefangenenlagern, Deportierungslagern, Flüchtlingslagern, Notunterkünften und Katastrophenschutzlagern bei anhaltend belastenden und unabsehbar lange andauernden Bedingungen vorkommt“ und weiterhin „Ursachen sind oft mangelnde psychosoziale Betreuung, schlechte Verpflegung, Seuchenausbrüche, Überfüllung des Lagers, Stress, Schlafmangel und Ähnliches. Durch Bekämpfung dieser Ursachen wie das Schaffen von privaten Rückzugsgebieten sowie das Eingehen auf individuelle Eigenschaften lässt sich Lagerkoller oft in einem Frühstadium eingrenzen bzw. abschwächen.“

Naja, zwar hocken wir jetzt nicht in Gefängnissen direkt, aber Stress, Schlafmangel und Enge, dass wird einige in nächster Zeit treffen. Was kann also getan werden? Nachfolgend werden nun einige Ursachen theoretisch beleuchtet, also was ist da los, was geschieht in Kopf und Körper, und dann gibt es auch noch einige praktische Idee, wie man das umgehen kann. Abschließend ist dann auch speziell etwas für Kinder aufgeführt. Für mehr Ideen, schaut mal hier.

 

Mangelnde Psychosoziale Betreuung

Wie heißt es in einem Kinderbuch, Angst essen Seele auf.

Ungewohnte sowie beunruhigende Situationen lösen häufig Angst und Stress im Körper aus.

Da hilft nur eins, darüber reden. Kommunikation ist das A und O für eine funktionierende Psyche. Klar, mit der Freundin auf einen Kaffee treffen ist nicht mehr drin, aber es gibt viele Alternativen, ob Threema, Teamspeak oder oder oder… Auch findet man in den sozialen Medien Gleichgesinnte, mit welchen man sich austauschen kann.

Kindern (circa ab vier Jahren) sollte man so einen Austausch ermöglichen, denn so lange seine Freunde, Kumpels und Spielkameraden nicht zu sehen oder zu hören ist auch für Kinder schwer. Ebenso der Kontakt in der Familie, vor allem mit den Großeltern, kann so aufrechterhalten werden.

 

Schlechte Verpflegung

Na. nur Nudeln daheim?

Das Thema Ernährung ist ein großes Feld. Eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung dient nicht nur der körperlichen Gesundheit, sondern auch der geistigen, dass sollte man sich immer vor Augen halten. Ebenso, dass sich der Energiebedarf des Körpers in solchen Umständen auch ändert.

Was also tun? Wer mag, kann seinen Energiebedarf neu berechnen, dazu gibt es viele Webseiten und Apps im Netz für und so seine Portionsmengen anpassen. Ausgewogen und abwechslungsreich kochen ist nicht nur gesund, sondern wirkt auch dem umgangssprachlichen „Überfressen“ vor. Dies ist ein Schutzmechanismus des Körpers vor einseitiger Ernährung. Keinen Plan was man alles mit den Sachen zaubern kann die Zuhause sind? Auch dafür gibt es tolle Seiten im Netz. Zeichnen sich Mängel ab, muss Notfalls mit entsprechenden Ergänzungsmitteln nachgeholfen werden.

Kinder und Essen, ein Fall für sich. Häufig hilft es, Kinder in die Planung ganz oder teilweise einzubeziehen und sie an der Zubereitung altersentsprechend zu beteiligen. Für die Kleinen kann das bedeuten, sie dürfen zwischen zwei Beilagen wählen, ältere Kinder können auch schon ganze Gerichte auswählen. Bei der Zubereitung kann gerührt, geschnitten und abgeschmeckt werden von den Jüngeren, Teenager können sich auch einmal an der alleinigen Zubereitung versuchen.

 

Seuchenausbrüche

Da gilt der Spruch, ist man noch nicht krank, wird man es in Quarantäne. Nicht umsonst soll man Menschenansammlungen meiden. Aber was tun, wenn diese zu Hause ist?

Ist man krank, hat das nicht nur körperliche Auswirkungen, auch allgemeine Bedürfnisse wie Nahrung und Ruhezeiten ändern sich.

Als erstes sollte auf den erkrankten Mitbewohner so gut es geht natürlich Rücksicht genommen werden und dieser sollte bei der Gesundung unterstütz werden. Das alles aber unter Berücksichtigung des Eigenschutzes! Das bedeutet einerseits erhöhte Hygiene, andererseits auch, dass man immer einen Blick auf seine eigenen Bedürfnisse haben sollte. Nichts führt schneller zu einer ungünstigen Stimmung in der Wohnung, als wenn niemand auf den Anderen Rücksicht nimmt.

Wie kann man das aber Kindern verdeutlichen? Jüngere Kinder können spielerisch ans Händewaschen und Desinfizieren herangeführt werden, mit Liedern und Fingerspielen, bei Älteren Kinder und Teenagern kann das Thema schon altersgerecht erläutert werden.

 

Überfüllung des Lagers

Auf kleinsten Raum lernt man sich erst so richtig kennen.

Die Toleranzgrenze wie viel Nähe eine Person erträgt ist ganz individuell und sollte definitiv gewahrt werden. Nichts lässt die Stimmung schneller kippen als nicht ausreichend Privatsphäre. es entsteht innerlicher Stress und ein enormes Konfliktpotenzial.

Je nach Mitbewohnerstruktur gibt es verschiedene Möglichkeiten. In einer Wohngemeinschaft hat man ja meist schon sein eigenes Zimmer und seinen eigenen Bereich. Als Familie ist es da schon etwas schwerer. Selten gibt es dort einen klaren Raum für Erwachsene. Diese Rückzugsbereiche sollten aber schnellstmöglich geschaffen und kommuniziert werden. Das kann ein Raum (zum Beispiel Schlafzimmer), ein Bereich (wie eine Leseecke) oder auch eine Situation oder ein Symbol sein (ein „nicht stören Schild“). Aber auch hier ist wichtig, Kommunikation! Fühlt man sich in seiner Privatsphäre verletzt, muss das klar angesprochen werden und eine Lösung dafür gefunden werden.

Auch Kinder haben ein Recht auf Privatsphäre. Meistens ist dies durch ein eigenständiges Zimmer schon gegeben, sollte aber von Erwachsenen respektiert werden. Eine altersgerechte Kommunikation ist hier ebenso unentbehrlich.

 

Stress

Der Chef ist in der Telefonkonferenz, der Kaffee kippt auf die Unterlagen, das Zweijährige kotzt auf die teuren Schuhe, der Hund frisst es auf und markiert dann sein Revier. Welch ein wunderbarer Tag, nicht wahr?

Wikipedia definiert Stress unteranderem wie folgt: „Unter Stress versteht man die Beanspruchung (Auswirkung der Belastungen) des Menschen durch innere und äußere Reize oder Belastungen (objektive, auf den Menschen einwirkende Faktoren sowie deren Größen und Zeiträume). Diese können sowohl künstlich als auch natürlich, sowohl biotisch als auch abiotisch sein, sowohl auf den Körper als auch die Psyche des Menschen einwirken und letztlich als positiv oder negativ empfunden werden oder sich auswirken. Die Bewältigung der Beanspruchung ist von den persönlichen (auch gesundheitlichen) Eigenschaften und kognitiven Fähigkeiten der individuellen Person abhängig, der Umgang mit einer Bedrohung wird auch Coping genannt. Einsetzbare Verhaltensweisen sind z. B. Aggression, Flucht, Verhaltensalternativen, Akzeptanz, Änderung der Bedingung oder Verleugnung der Situation.“ Danach ist das hauptsächliche Problem der negative Stress, aber auch abiotische Faktoren und biotische wirken sich aus. Nachfolgenden nun die Erläuterung aus Wikipedia entnommen und entsprechende Vorschläge dazu.

„Stress wird erst dann negativ empfunden, wenn er häufig oder dauerhaft auftritt und körperlich und/oder psychisch nicht kompensiert werden kann und deshalb als unangenehm, bedrohlich oder überfordernd gewertet wird. Insbesondere können negative Auswirkungen auftreten, wenn die individuelle Person (auch durch ihre Interpretation der Reize) keine Möglichkeit zur Bewältigung der Situation sieht oder hat“

„Abiotische Stressfaktoren wären z. B. physikalischer Natur, etwa Kälte, Hitze, Lärm, Abgase sowie natürliche und künstliche Strahlungen. Zu letzteren zählen etwa starke und übermäßig lange Sonneneinstrahlung oder sonstige, etwa hochfrequente oder radioaktive oder elektromagnetische Strahlungen. Weiterhin toxische Substanzen, z. B. Weichmacher wie etwa Diethylhexylphthalat (DEHP) in PVC-Fußbodenbelägen oder Kinderspielzeug; (Zigaretten-)Rauch und die darin enthaltenen Stoffe; Belastungen des Trinkwassers; übermäßiger und regelmäßiger Alkoholkonsum; vitalstoffarme Ernährung oder die zunehmend in einer Vielzahl von Produkten und Anwendungsverfahren der Landwirtschaft (z. B. „Krautregulierung“ durch Glyphosate) angewandten – und dadurch in den menschlichen Körper aufgenommenen – Pestizide.“

„Biotische Faktoren wären beispielsweise Belastungen durch Krankheitserreger oder Tumore, auch chronische und autoimmune Entzündungsprozesse, die jedoch wiederum durch die oben genannten abiotischen Faktoren (Stressoren mit Auswirkungen auf Zell-Stoffwechsel und Immunsystem) beeinflusst sind. Auf emotionaler Ebene können auch psychische Belastungen wie Mobbing, bestimmte eigene Einstellungen und Erwartungshaltungen eines Menschen oder z. B. seiner Eltern, und weiterhin Befürchtungen Stressoren sein (s. psychosoziale Stressfaktoren).“

Eine Dachgeschosswohnung im Sommer, eine Baustelle direkt vor der Tür, dies sind einfache aus dem normalen Alltag entnommene Beispiel für abiotische Stressfaktoren. Verbringt man viel Zeit auf engeren Raum miteinander, können zu laute Unterhaltungsmedien auch zu einem erheblichen Stressor werden. Abhilfe kann da für Erwachsene wie Kinder einfach durch Kopfhörer geschehen. Sie schaffen zusätzlich auch noch einmal etwas Privatsphäre und Ruhe für alle. Aber auch hier, wenn der abiotische Stressor ein Mitbewohner ist hilft nur reden reden und nochmals reden und gemeinsam eine Lösung finden. Das hilft erstens bei der Stressbewältigung und zweitens schafft es eine bessere und angenehmere Situation. Ebenso gilt das für biotische, emotionale Faktoren wie Erwartungshaltungen und Befürchtungen. Auch hier muss man darüber reden und die Situation angemessen anpassen.

Was passiert, wenn man sich da einfach nur durch beißt anstatt die Situation und somit den Stressor zu beseitigen? Dann droht einem nicht nur der sogenannte Lagerkoller. Stress wirkt direkt auf den Körper. Durch die strake Anspannung und der dazugehörigen Ausschüttung bestimmter Neurotransmitter kommt es zu einer Abnahme der Aufmerksamkeit und der Leistungsfähigkeit. Des Weiteren kann es zu Beeinträchtigung des Stoffwechsels und somit zur generalisierten Beeinträchtigung von Heilungsverläufen oder Reaktionen auf Infektionen führen. Ist das Immunsystem beeinträchtigt, können nicht nur allerlei Infektionen ausbrechen, auch mutierte Zellen werden nicht erkannt, es können sich Tumore bilden.

Stress ist also ein nicht zu unterschätzender Faktor, für einen selbst und für die Gemeinschaft. Kann man bestimmte Stressoren nicht minimieren ist es wichtig sich ein Ventil zu suchen. Es gibt viele Wege sich aufstauenden Stress zu bewältigen, wie Sport oder Meditation. Auch hier gibt es viele Webseiten, Apps und Empfehlungen dafür.

 

Schlafmangel

Ein Wort, was Eltern aus ihrem Vokabular gestrichen haben.

Es existieren für jedes Alter unterschiedliche Richtlinien, wieviel Schlaf ein Mensch benötigt. Auch hier spielen noch einmal zusätzliche individuelle Faktoren mit rein. Aber sicher ist, mit Schlafmangel ist nicht zu spaßen! Es löst im Körper nicht nur Stressreaktionen, wie Kopfschmerzen und Infektanfälligkeiten, aus, sondern beeinträchtigt auch die kognitiven Vorgänge im Gehirn und löst damit unteranderem Denkstörungen, Halluzinationen und Reizbarkeit aus. Beim anhaltenden starken Schlafmangel sind auch noch stärkere Reaktionen des Körpers zu verzeichnen

Was gilt als Schlafmangel bzw. –störung?

-Verändern der Wach- und Schlafzeiten, z.B. Verlegung der Schlafzeit auf den Tag

-Verkürzung der Schlafzeit auf 4 bis 6 Stunden pro Tag über einen mehrwöchigen Zeitraum

Wichtig ist, dass der Schlaf ungestört sein sollte. Es gelten natürlich die allgemeinen Richtlinien für Schlaf, abgedunkelter Raum, entsprechende Temperatur, gut belüftet, 2 Stunden vor dem Schlafen kein blaues Licht mehr und so weiter und so fort.

Wie geht man aber damit um, wenn man aus Sorge nicht schlafen kann, die Gedanken rasen, man selbst oder das Kind wegen Husten oder Schnupfen keine Ruhe findet oder man einfach von den Schnarchgeräuschen wachgehalten wird?

Es gibt ein paar Hausmittel, welche man meistens aus der Drogerie beziehen kann, die helfen. Wird das Leiden aber zu groß, kommt man um einen Besuch beim Arzt nicht wirklich herum. In der Drogerie findet man allerlei Kräuter und ähnliches, welche einen das Einschlafen erleichtern sollen, da hilft nur probieren, für manche wirkt das eine, für andere das andere. Bei Kindern reicht meistens schon eine Tasse warme Milch, danach nur Zähneputzen nicht vergessen.

Bei Husten und Schnupfen sollten schleimlösende Medikamente oder Drogerieprodukte ihre Anwendung finden, Milch ist da eher kontraproduktiv, sie verschleimt und verschlimmert es dadurch.

Der Mitbewohner schnarcht oder hustet? Da gilt wieder ansprechen und Abhilfe schaffen. Hier zu empfehlen: Oropax.

 

 

So, die Punkte aus Wikipedia sind nun alle durch.

Ein Muster bei der Vorbeugung und Bewältigung eines Lagerkollers ist hier klar zu erkennen, redet über die Probleme, am besten bevor sie welche werden und findet eine Lösung.

Einen persönlichen Tipp, gerade für Eltern, habe ich aber noch.

Das Zauberwort heißt „Rhythmus“ beziehungsweise Routinen. Unser Gehirn belohnt uns für jeden routinierten Ablauf mit den entsprechenden Hormonen. Warum ist das so? Unterm Strich gesagt, es erspart dem Gehirn Arbeit und spart somit Energie. Wer kennt den nicht diesen Moment wo man einfach so auf Autopilot ist, dass man gar nicht weiß ob man das jetzt wirklich getan hat, morgendliches Zähneputzen zum Beispiel. Alles Neue, alle neuen Abläufe sind für das Gehirn anstrengend und bedeuten Stress.

Gebt eurem Tag also Rhythmus und Struktur, das funktioniert beim Säugling wie auch beim Senior.

Ihr steht jeden Tag um 8 Uhr auf? Behaltet es bei!

9 Uhr ist auf der Arbeit immer Kaffeepause? Dann gönnt euch zu Hause diese Pause!

Das Kind hat in der Kita immer um 12 Uhr Mittagessen? Dann gibt es um 12 Uhr Essen!

Wichtig ist: überschneiden sich mehrere Routinen/Rhythmen (Eltern essen immer um 13 Uhr, Kind in der Kita um 12 Uhr) müssen die Eltern zurück stecken. Erwachsene verkraften solche Wechsel viel besser als Kinder und wer mag in solchen Zeiten ein quackiges überdrehtes Kind zu Hause?

Je mehr ihr euren gewohnten Alltag weiterführt, desto leichter wird es euch auch fallen, wieder in diesen zurück zu finden.

 

Das war jetzt so viel Input von mir zu Theorie und Praxis bei einem Lagerkoller, dass ich für alle Eltern und Neugierigen in einem separaten Artikel Ideen aufliste, was man nun konkret mit Kinder tun kann in dieser schulfreien Zeit und auch ein paar Tipps für alle, die nun auch zu Hause sitzen müssen, sind mit dabei.

 

Also, bekommt mir ja keinen Koller!

Gemeinsam stark und vorbereitet

 

Fuchsbau

 

Quelle:

https://de.wikipedia.org/wiki/Lagerkoller 14. März 2020 15.21 Uhr

https://de.wikipedia.org/wiki/Schlafentzug 14. März 2020 16.34 Uhr

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